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Artikel vom 25. März 2025

hei.gründerstory: Silvia Münster – Teleradiologische Zweitbefundung

Silvia Münster bietet teleradiologische Zweitbefundungen radiologischer Untersuchungen an, d.h. sie erstellt fachärztliche Zweitbefunde für bereits anderorts durchgeführte radiologische Untersuchungen wie CT, MRT und Röntgen. Der große Vorteil ihres Angebotes ist, dass Patient:innen ihre Bilddaten bequem online über das Portal hochladen können und ihren Befund ebenfalls digital zum Download bereitgestellt bekommen. So entfallen lange Wege und Wartezeiten- für eine schnelle, ortsunabhängige und zuverlässige Diagnostik.

Wir haben Silvia interviewt und hier findet ihr die spannende Gründungsgeschichte zu teleradiologische Zweitbefundungen radiologischer Untersuchungen:

„Ich bin Fachärztin für Radiologie mit 15 Jahren Berufserfahrung und habe in dieser Zeit in verschiedenen klinischen Einrichtungen gearbeitet, darunter große Kliniken sowie Praxen. Diese vielseitige Erfahrung hat mir ein breites Spektrum an diagnostischer Expertise vermittelt, insbesondere in der Schnittbildgebung (CT und MRT) und in der konventionellen Röntgendiagnostik. Darüber hinaus habe ich die nuklearmedizinische Zusatzweiterbildung erworben.“

Silvia Münster - Teleradiologische Zweitbefundung online

Foto: Silvia Münster

 

Vom Kittel zum Keyboard – Was hat dich dazu gebracht, den klassischen Klinikalltag gegen die digitale Selbstständigkeit zu tauschen?

„Die Idee zum Angebot einer radiologischen Zweitbefundung entstand schon vor längerer Zeit, da mir immer wieder Fälle aus dem Bekanntenkreis und auch von befreundeten klinischen Kolleg:innen für eine zweite Meinung herangetragen wurden, sei es um eine Diagnose zu überprüfen oder einen unklaren Befund noch einmal kritisch zu hinterfragen. Auch radiologische Befunde sind nicht immer eindeutig – es gibt Interpretationsspielräume, und wichtige Befunde können auch einfach einmal übersehen werden.

Durch den steigenden Kostendruck im Gesundheitswesen und die hierin begründete Arbeitsverdichtung bleibt oft immer weniger Zeit für eine ausführliche Befundung, oftmals auf Kosten der Befundqualität. Eine fachärztliche Zweitmeinung kann daher eine wertvolle Sicherheit für Patient:innen und behandelnde Ärzt:innen bieten.“

 

Radiologische Zweitbefunde per Mausklick – wie überzeugt man Patient:innen, dass das genauso verlässlich ist wie der Termin vor Ort?

„Die zunehmende Digitalisierung ist für viele Menschen inzwischen ganz selbstverständlich und zur Normalität geworden, und das zeigt sich auch in der Medizin. Immer mehr Menschen sind offen für digitale Angebote. Gerade die jüngere Generation, die mit Online-Diensten aufgewachsen ist, hat kaum Berührungsängste, wenn es um eine teleradiologische Zweitmeinung geht.

Letztlich zählt für die Patient:innen nicht der Ort, an dem die Radiolog:innen arbeiten, sondern deren fachliche Qualifikation. Diese unterscheidet sich grundsätzlich nicht zwischen Teleradiolog:innen und Präsenzradiolog:innen. Vielmehr steht der einfache, schnelle und ortsunabhängige Zugang zur Zweitbefundung für die Patient:innen im Vordergrund.“

 

Was waren die größten Stolpersteine auf dem Weg in die Selbstständigkeit – und wie hast du sie aus dem Weg geräumt?

„Das größte Hindernis auf dem Weg in die Selbständigkeit war wohl die eigene Hemmschwelle, etwas völlig Neues zu wagen. Ohne unternehmerischen Hintergrund war dieser Schritt für mich ein Sprung ins Unbekannte. Den Bereich des Bekannten im Angestelltenverhältnis zu verlassen und dabei die eigenen Bedenken zu überwinden, war wahrscheinlich die größte Herausforderung bei der Gründung.

Letztlich kommt es darauf an, einfach loszulegen und Schritt für Schritt weiterzugehen. Vieles, was anfangs kompliziert und problematisch erscheint, fügt sich mit der Zeit. Der wichtigste Schritt bei der Gründung war, mich auf den Prozess einzulassen, dazuzulernen und mich von den oftmals sehr positiven Entwicklungen überraschen zu lassen.“

Silvia Münster - Teleradiologische Zweitbefundung online

Foto: Silvia Münster

 

Ärztin & Unternehmerin – Medizin studiert man nicht mit Blick aufs Business. Wie hast du dir das unternehmerische Know-how angeeignet?

„Im Medizinstudium spielen betriebswirtschaftliches Kenntnisse keine Rolle, deshalb musste ich mir das notwendigen Wissen Schritt für Schritt selbst aneignen. Ein Teil davon stammt aus der Fachliteratur und intensiver Online-Recherche.

Es gibt viele hilfreiche Beratungsseiten speziell für Gründer:innen. Zudem habe ich mich frühzeitig anwaltlich und steuerrechtlich beraten lassen, um rechtliche und finanzielle Fragen von Anfang an professionell zu klären. Diese Kombination aus eigenständigem Lernen und gezielter Expertenberatung hat mir geholfen, meine Selbständigkeit auf eine solide Grundlage zu stellen.“

 

Stichwort Künstliche Intelligenz – Wohin geht die Reise in der Radiologie? Ist KI eine Konkurrenz oder ein cleveres Tool für deine Arbeit?

„Die künftige Rolle der KI ist derzeit eine der spannendsten Entwicklungen im Bereich der medizinischen Bildgebung. KI hat das Potenzial, Radiologen in vielen Aspekten der Arbeit zu unterstützen und die Effizienz sowie Genauigkeit der Diagnostik zu verbessern. Langfristig wird sich herauskristallisieren, welche KI-Tools für die Patient:innen und Radiolog:innen einen tatsächlichen Mehrwert bieten. Wichtig ist hier grundsätzlich, dass die KI zielgerichtet und sinnvoll eingesetzt wird und wirtschaftliche Motivationen bei ihrem Einsatz nicht in den Vordergrund treten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die KI noch ein unterstützendes Werkzeug für die Radiolog:innen, eine echte Konkurrenz besteht hier nicht. Radiolog:innen bleiben weiterhin die entscheidende Instanz für die Interpretation der Ergebnisse und die Erstellung eines fundierten Befundes.“

 

Soloselbstständig, d.h. ohne Team, aber mit viel Verantwortung: Wie hältst du Balance zwischen Praxis, Papierkram und Privatleben?

„Zeitliche Flexibilität ist einer der großen Vorteile der Selbständigkeit. Ich nutze den Tag effizient, indem ich meine Arbeit strukturiere. Es ist eine ständige Herausforderung, aber mit der richtigen Planung und Priorisierung gelingt es mir, die Balance zu halten.“

 

„Hätte ich das mal früher gewusst…“ – Gibt es eine Erkenntnis aus deiner Gründung, die du anderen Ärzt:innen unbedingt mitgeben würdest?

„Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus meiner Gründung ist, wie wertvoll es ist, sich frühzeitig mit anderen Gründer:innen zu vernetzen, nicht nur aus dem eigenen Fachbereich sondern branchenübergreifend. Der Austausch mit anderen, die vor ähnlichen Herausforderungen und Problemen stehen, ist unglaublich bereichernd. Man kann von ihren Erfahrungen und Herangehensweisen viel lernen, und gleichzeitig Synergien entwickeln, von denen alle Beteiligten profitieren.

Es ist beruhigend zu sehen, dass auch andere Gründer:innen ähnliche Unsicherheiten durchleben und man letztlich nicht allein mit den Herausforderungen des Unternehmertums kämpft. Netzwerke und Beratungsangebote bieten wertvolle Unterstützung und helfen, den Weg in die Selbständigkeit mit mehr Vertrauen zu gehen.“

 

Und dein Blick in die Zukunft: Was ist deine Vision? Wird die digitale Zweitmeinung bald Standard oder bleibt sie eine smarte Nische?

„Patient:innen sind heute deutlich besser informiert und selbstbestimmter als noch vor wenigen Jahren und treffen selbstbewusster Entscheidungen über Ihre Gesundheit. Die traditionelle unkritische Akzeptanz ärztlicher Einschätzungen nimmt aufgrund der zunehmenden Informiertheit ab, während es gleichzeitig immer einfacher wird, sich eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Die zunehmende Selbstbestimmung der Patient:innen zeigt, dass der Bedarf an digitalen Zweitmeinungen definitiv vorhanden ist.

Ich bin überzeugt, dass der Markt weiter wachsen wird, da immer mehr Menschen diese Möglichkeit nutzen werden, um sich zusätzliche Sicherheit und Klarheit bei ihren Diagnosen zu verschaffen. In Zukunft wird die digitale Zweitmeinung nach meiner Einschätzung sicherlich immer mehr zum Standard werden und weniger eine Nische bleiben.“

 

 

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